9. Schloß-Open 2003
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Ein neuer Titelträger bei den 9. Wertheraner »Schloß-Open«
Rainer Polzin verhindert vierten Sieg von GM Vladimir Epishin

Nur einen kurzen Augenblick ließ er sich die Enttäuschung ansehen, dann nahm er’s mit professioneller Gelassenheit hin:

Großmeister Vladimir Epischin durfte nach drei Erfolgen hintereinander erstmals nicht den großen Pokal für den Gewinner der internationalen Wertheraner Schloß-Open in Empfang nehmen. Mit dem Neuköllner Internationalen Meister Rainer Polzin gab es nach fünf Jahren wieder einmal einen deutschen Sieger. Zuletzt war das 1998 mit dem Duisburger Fide-Meister Edgar Prang der Fall gewesen.

Zur neunten Auflage des größten ostwestfälischen Schachturniers waren 202 Teilnehmer aus ganz Deutschland, aus Österreich und den Niederlanden angereist. Auch die Riege der Titelträger, die dem Dominator der vergangenen Jahre, Epishin, Paroli bieten wollte, war mit Spielern aus Russland,Weißrussland und Georgien sowie dem deutschen Großmeister Phillip Schlosser gut vertreten. Schlosser nennt beim Bundesligisten Baden-Oos Größen wie die Weltklassespieler Visvanathan Anand und Peter Svidler seine Kollegen.

Allerdings musste das Organisationsteam um Vereinskassierer Stefan Pfannkuch, dem Vorsitzenden Claus Meyer sowie Holger Sahrhage auch einige Absagen in letzter Minute seitens der »hohen Tiere« registrieren –ärgerlich bei dem hohen Aufwand, den die Ausrichtung einer Veranstaltung dieser Größe erfordert. Stefan Pfannkuch denkt bereits über Veränderungen nach: „Wir werden uns etwas überlegen, damit das nicht wieder vorkommt.“ Kurzzeitig waren Pfannkuch und Kollegen sogar vom Erscheinen des amtierenden deutschen Meisters Thomas Luther ausgegangen.

Polzin sorgt mit Elf-Züge-Sieg in Runde Eins für Aufsehen

Die Favoriten im Kampf um die Preisgelder ließen in den ersten Runden keine Überraschungen zu, wobei der spätere Sieger Rainer Polzin schon in der Auftaktrunde mit einem Sieg in elf Zügen für Aufsehen sorgte. Zur fünften Runde hatten sieben Spieler erst einen halben Punkt verloren – für Spannung war gesorgt. Wie in allen Schlussrunden der vergangenen Jahre ließen es die Titelkandidaten nicht an Kampfgeist fehlen. Nur ein voller Punktgewinn konnte den Sprung aufs Treppchen bringen.

Epischin setzte sich mit geduldiger Routine ebenso gegen IM Davit Shengelia durch wie Schlosser gegen IM Rüdiger Seger, während IM Sergey Kasparov in einer Zeitnot-Schlacht gegen IM Carsten Lingnau gewann. Polzin schließlich triumphierte über seinen russischen Gegner Salakhutdinov mit einem spektakulären Figurenopfer.

Vier Spieler standen damit punktgleich an der Spitze. Nach verfeinerter Unterwertung wurde Rainer Polzin der erste Platz vor Epischin, Kasparov und Schlosser zugesprochen – es war der knappste Einlauf in der Turniergeschichte.

Der heimische Altkreis Halle wurde in der A-Gruppe fast nur von Mitgliedern des ausrichtenden SK Werther vertreten, Oliver Mußgnug auf dem 40. Platz mit 2,5 Punkten schaffte das beste Ergebnis. In der B-Gruppe wiederholten zwei Spieler ihre Erfolge des Vorjahres: Der Liemer Joachim Stork wurde mit 4,5 Punkten Erster der Gesamtwertung, Rüdiger Kraetzer (Werther) bester Spieler des Altkreises mit 3,5 Punkten.

Nur die C-Gruppe sah mit dem Everswinkler Luis Alvarez einen Alleinsieger mit 4,5 Punkten. Bester Altkreis-Spieler war hier der Künsebecker Stefan Guhe.

Andreas Diembeck

Siegerfoto
Ein neuer König mit Pokal: Der Internationale Meister Rainer Polzin aus Berlin (Zweiter von rechts) ist neuer Titelträger bei den Schloß-Open. Stolz präsentiert er mit Jürgen Höcker vom Hauptsponsor Kreissparkasse Kalle den Siegerscheck. Seriensieger Vladimir Epishin (links) musste sich mit Rang zwei begnügen. Werner Köhme vom Sponsor EWG (Zweiter von links) und SK-Präsident Claus Meyer (rechts) präsentieren sich ebenfalls den Fotografen. Foto: Andreas Diembeck


update: 18.01.2004 Home © SK Werther 1949 e.V.