8. Schloß-Open 2002
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Volles Haus bei den 8. Wertheraner »Schloß-Open«
Hattrick durch GM Vladimir Epishin

Der Gewinner der achten Wertheraner Schloß-Open ist ein mittlerweile guter alter Bekannter: Vladimir Epishin. Für den für den PSV Lübeck in der Bundesliga aktiven russischen Großmeister war es sein dritter Sieg in Folge und abermals wurde er dabei seiner Favoritenrolle in überzeugender Weise gerecht.

Das ursprünglich als Wochenendturnier für die heimischen Schachfreunde in der turnierarmen ostwestfälischen Provinz gedachte Kurzopen strahlt dank Internetpräsenz und nicht unbescheiden aufgestocktem Preisfonds mittlerweile auf das ganze Bundesgebiet und darüber hinaus.

Schon Wochen vor dem Start der ersten von fünf Runden zeichnete sich ab, das die für Sportevents dieser Art wie geschaffene „Bürgerbegegnungsstätte Haus Werther“ ,im Volksmund “Schloß“ genannt, wieder voll ausgebucht sein würde. „Wir könnten ja noch wahre Quantensprünge bei den Teinehmerzahlen machen“ meint denn auch ein stets rotierender Manager Stefan Pfannkuch, der sich zusammen mit seinem Organisationsteam nach Kräften bemühte, - nach dem Karnevalistenmotto “einer geht noch rein ... “- jeden verfügbaren Quadratmeter Platz nutzbar zu machen. 214 passten schließlich rein ,vielen weiteren Interessenten musste abgesagt werden.

Hatte Epishin in den vorigen Jahren mit je fünf Siegen en suite das Geschehen doch etwas zu deutlich beherrscht, so bestand angesichts des Mitwirkens von 15 weiteren Titelträgern diesmal Hoffnung auf ein wenig mehr Spannung. Das Augenmerk der Kenner richtete sich dabei naturgemäß auf Großmeisterkollegen Alexander Berelovich, aber auch auf Fide-Meister Vitaly Kunin. Der 18jährige Newcomer hat schließlich schon Erfolge wie den ersten Platz beim Staufer-Open im Januar vorzuweisen.

Der turniererfahrene deutsche IM Carsten Lingnau wollte natürlich auch eine Rolle bei der Vergabe der Preise spielen, doch schon in der ersten Runde drohte er zu scheitern. Das es Titelträgern in offenen Turnieren manchmal ganz heftig an den Kragen geht, zeigt auch eine Begegnung aus der zweiten Runde: Neumann – Cioara.

In der vierten Runde bescherte das Los den Zuschauern das Duell Kunin – Epishin. Vladimir kam eine halbe Stunde zu spät (Schuld wahr wohl der nicht funktionierende Weckdienst des Hotels?) wirkte nervös und angespannt und nutzte im Bewusstsein seines Buchholzvorteils die erste sich bietende Möglichkeit zum Remis. In der Schlussrunde gegen Velicka (CZ) mit den weißen Figuren zeigte er sich aber wieder gewohnt souverän und machte für seinen Titel-Hattrick alles klar. Auch die anderen Mitfavoriten riefen wie auf Knopfdruck ihre Bestform ab und sortierten sich hinter dem Triumphator in der Tabelle ein.

In der B-Gruppe hieß der glückliche Sieger Eduard Eichmann, der sich in der letzten Runde mit seinem Verfolger Dirk Altenbernd nach zwei Zügen auf Remis verständigte und am Ende nach Buchholzwertung hauchdünn vorne lag.

In der seit zwei Jahren eingerichteten C-Gruppe tummelt sich neben erfahrenen Amateuren vor allem der schachliche Nachwuchs. Bemerkenswert: Für den ungeschlagen auf dem geteilten zweiten Platz gelandeten 17jährigen Bielefelder David Wuttke (SG Karpovs Enkel) war es sein erstes Schachturnier!

Die allerletzte Partie der achten Wertheraner Schloß-Open, Kalod (CZ) – Kunin, endete leider mit einem Eklat: volle fünf Stunden gespielt, beide nur noch mit ein paar Sekunden auf der Uhr, Dame und Bauer für Kalod, nur noch die Dame für Kunin. Kalod manöverierte folglich sein Steinehäufchen Richtung schwarzer Grundreihe während Kunin aus allen Lagen Damenschachs gab. Ein Feld vor der Umwandlung und eine Sekunde vor Kunins Zeitablauf stellte der Tscheche seinen Bauern schließlich ein. Nun durfte Kunin remis reklamieren, tat es auch sofort, doch – die Tücken der Technik! Eine Digitaluhr kann man nicht wie eine „normale“ analoge Uhr anhalten, man muss das kleine Knöpfchen kennen und drücken. So machte Kalod flink einen Zug, haute noch einmal auf seine Uhr - und Kunins Zeit war um. Spieler, Zuschauer, Presse und Ehrengäste mussten sich daraufhin in Geduld fassen, bis die Entscheidung getroffen war: Den Schiedsrichtern blieb nichts anderes übrig, als nach den Schachregeln auf Sieg für Kalod zu entscheiden, obwohl nicht wenige Stimmen auch eine Punkteteilung befürwortet hätten.

Ansonsten verliefen die achten Wertheraner Schloß-Open jedoch in ausgesprochen harmonischer Atmosphäre. Das Schloß-Open-Team dankt den zahlreichen Helfern sowie den Sponsoren, ohne deren Unterstützung eine Durchführung unmöglich wäre. Die neunte Auflage findet vom 11. bis 13. April 2003 statt, wozu alle Schachfreunde wieder herzlich eingeladen sind.

Andreas Diembeck

Siegerfoto

Günter Ludewig vom Hauptsponsor, der Kreissparkasse Halle (Westf.), gratuliert gemeinsam mit der Wertheraner Bürgermeisterin Marion Weike und Claus Meyer vom ausrichtenden Schachklub Werther den Siegern des 8. Schloß-Opens.
Das Foto zeigt (von links): Günter Ludewig, Vladimir Epischin, Claus Meyer, Fabian Trippe, Eduard Eichmann und Marion Weike.


update: 28.08.2002 Home © SK Werther 1949 e.V.